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Gedanken 10.000 Meter über Paris

Bevor ich live aus Gran Canaria berichte, ein kurzes Intermezzo aus 10.000 Metern Höhe. Ich sitze seit 40 Minuten im Flieger. Auf einem viel zu engen Platz, übrigens. Wenn ich links neben mir aus dem Fenster blicke, sehe ich blauen Himmel und ein Meer aus weißen Wolken. Irgendwas an der Tatsache, dass wir uns zehn Kilometer über der Erde befinden, macht mich nachdenklich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich gerade Drake höre. Meine Gedanken schweifen aus und bevor ich es weiß, habe ich einen Stift in der linken und einen Notizblock in der rechten Hand und fange an zu schreiben.

 

Liebes Tagebuch,

diese Worte schreibe ich, während wir uns direkt über Paris befinden. Was mich daran erinnert: Ich muss im kommenden Monat unbedingt noch nach Paris. Mich ein bisschen von der Stadt inspirieren lassen. Das Louvre sehen. Versailles. Französische Frauen. Die Architektur der Stadt.

Aber was anderes:
In letzter Zeit fühle ich mich oft unruhig. Als würde mir etwas fehlen. Da ist eine ständige Unruhe in mir und im Hintergrund, die nicht weggehen möchte. Ein andauerndes nervöses Kribbeln in meinem Bauch.
Ich glaube ich habe Angst davor erwachsen zu werden. Ich kann es nicht genau erklären. Ich kenne mich selber noch nicht gut genug, denke ich. Ich versuche noch meinen Platz in der Welt zu finden. Als ich kleiner war, hätte ich nicht gedacht, dass es so schwer wird erwachsen zu werden. Ständig ist dieser Wirbelsturm aus Emotionen in mir. Nachts liege ich oft wach und habe Schwierigkeiten einzuschlafen.
Ich gebe mein Bestes mich abzulenken. Versuche an was anderes zu denken. Versuche meine Zweifel in meiner Arbeit verschwinden zu lassen.

Ich habe letztens mein erstes Interview gegeben. Es wurde in ganz NRW von 44 Radiosendern ausgestrahlt. Crazy. Vor einigen Jahren habe ich Interviews von Eminem und Kanye West geguckt und davon geträumt irgendwann auch eins geben zu können.
Aber das war erst der Anfang. Ich bin erst 20 Jahre alt. Wo kann ich in einem Jahr sein, wenn ich so weitermache? In 5 Jahren? In 10 Jahren?

Eigentlich ist alles, was ich mir wünsche, frei zu sein. Reisen wann und wohin ich will. Mit meinen Freunden in einer Villa wohnen. Meine Eltern früh in Rente schicken, wenn sie möchten. Filme ins Kino bringen. Ein freies Leben leben. Keinen Chef oder Vorgesetzten haben der mir sagen kann, was ich tun soll. Die schönsten Erfahrungen machen, die dieses süße Leben zu bieten hat. Ich möchte mein Herz gebrochen bekommen und Herzen brechen. Mehr Geld haben, als ich ausgeben kann.
Für mich ist ein Leben ohne Erfolg und Reichtum fast sinnlos. Klar, ich weiß, dass es da draußen Wichtigeres gibt. Aber aus der Sicht eines 20 jährigen Jungen nicht wirklich. Kann sein, dass das nicht der gesündeste Lebensansatz ist. Aber so fühle ich mich. Das ist echt. Ich möchte nach meinem Tod mehr hinterlassen als eine Todesanzeige.

Jetzt bin ich aber erstmal drei Tage auf Gran Canaria. Ich werde versuchen dort auf andere Gedanken zu kommen.
In dreieinhalb Stunden ist Touchdown in Las Palmas, der Hauptstadt. Bis dann,

 

 

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